Der Grasfrosch ist Lurch des Jahres 2018

Der Grasfrosch (französisch: grenouille rousse; luxemburgisch: Bronge Fräsch; latäin: Rana temporaria) ist Lurch des Jahres 2018 in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg. Mit ihrer Wahl richten die Partnerorganisationen in den betreffenden Ländern den Fokus auf eine vermeintliche Allerweltsart unter den Amphibien. Der Grasfrosch ist die am weitesten in Europa verbreitete Anurenart und besiedelt sogar noch die nördlichsten Regionen des Kontinents bis fast zum Nordkap. Dennoch sind gerade bei dieser Art seit Jahren an vielen Orten bedenkliche Bestandsrückgänge zu beobachten.  Auch diese so anpassungsfähige Amphibienart benötigt unsere Unterstützung, um langfristig in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft überleben zu können.

Steckbrief des Grasfroschs

+ Wissenschaftliche Bezeichnung: Rana temporaria

grasfrosch+ größter und kräftigster Vertreter unter den drei ähnlichen mitteleuropäischen Braunfröschen (Gras-, Moor- und Springfrosch)

+ Kopf-Rumpf-Länge adulter Männchen meist zwischen 6,5 und 8,5 cm, die der Weibchen zwischen 7 und 9 cm

+ Haut glatt , mit variabel gefärbter Oberseite, meist braun, rötlich, gelblich, grau oder olivfarben, mehr oder weniger kräftig dunkel gefleckt

+ auf dem Rücken zwei prominente, parallel verlaufende Rückendrüsenleisten

+ stumpfe, leicht aufgewölbte Schnauze, im Profil mit einem deutlichen Knick

+ Auge mit runder bis querovaler Pupille und goldgelber Iris

+ Trommelfell nur wenig kleiner als das Auge (Durchmesser deutlich größer als beim Moorfrosch) und vergleichsweise weit vom Auge entfernt (Abstand größer als beim Springfrosch)

+ Hinterbeine relativ kurz; kürzer als bei Moor- und Springfrosch

+ Bauch gelblich weiß oder hellbraun bis rötlich, vor allem an Kehle und Brust mit grau bis rostbraunen Flecken

Neben dem Nationalmuseum für Naturgeschichte aus Luxemburg sind an der „Aktion Lurch des Jahres“ die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT), ÖGH (Österreich), karch (Schweiz) und der NABU (Deutschland) beteiligt.

Folgende Begleitmaterialien sind erschienen: Poster, Informationsbroschüre, Flyer – alle als PDF.

Der Grasfrosch in Luxemburg

In der ersten Veröffentlichung zur Amphibienfauna Luxemburgs von 1870 werden noch keine genauen Angaben zur Häufigkeit des Grasfrosches gemacht. Der Autor schildert aber, dass Grasfrösche damals regelmäßig gefangen und zum Verzehr auf den Märkten angeboten wurden. Die Tiere wurden dabei vor allem im Herbst und Winter beim Überwintern in Teichen erbeutet. In einer Publikation von 1922 wird Rana temporaria als im ganzen Land sehr häufig bezeichnet.

verbreitung grasfroschMit einer Rasterfrequenz von 96 % (5 x 5 km große Rasterquadrate, Zeitraum 2004–2015) ist der Grasfrosch zurzeit die häufigste Amphibienart Luxemburgs und gilt als „ungefährdet“. Die intensiven Laichgewässerkartierungen der vergangenen Jahre haben aber gezeigt, dass Grasfrösche bei weitem nicht in jedem potenziell geeigneten Stillgewässer vorkommen und dass es sich oftmals um nur kleine Populationen handelt: In 30 % der 239 zwischen 2010 und 2012 untersuchten Gewässer wurde kein Laich gefunden, in weiteren 50 % der Gewässer umfasste die Laichmenge weniger als 2 m² Oberfläche, und nur in 2 % der Fälle wurden mehr als 9,5 m² Laich notiert. Pro Quadratmeter Laich werden etwa 70–80 Laichballen, bei dichter Lage und mehreren Schichten auch bis zu 200 Ballen abgelegt. Große Grasfroschvorkommen befinden sich fast ausschließlich in oder in unmittelbarer Nähe zu ausgedehnten Laubwäldern. Bei den größten zurzeit in Luxemburg bekannten Vorkommen wurden Laichmengen von maximal rund 20 m² notiert. Geht man von einem durchschnittlichen Wert von 100 Laichballen pro Quadratmeter Laich aus, so ergibt sich für diese Gewässer eine Laichpopulation von etwa 4.000 Grasfröschen (ein Paar pro Ballen).

Seit 1986 ist der Grasfrosch in Luxemburg gesetzlich geschützt. Seine weite Verbreitung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch bei dieser Amphibienart Bestandsrückgänge beobachtet werden. Hauptgefährdungsursachen sind die Intensivierung der Landwirtschaft und die Zersiedlung der Landschaft (Wohngebiete, Industriezonen und Straßenbauprojekte). Obwohl Grasfrösche Verkehrsstraßen deutlich schneller überqueren als Erdkröten und Molche, kommt es durch den Straßenverkehr zum Teil zu großen Verlusten.

Zum Schutz der Amphibien wurden in Luxemburg seit 1993 mehr als 500 Stillgewässer neu angelegt beziehungsweise bestehende Gewässer aufgewertet. Das Angebot an Laichgewässern konnte dadurch deutlich verbessert werden. 1991 wurde im Südwesten des Landes ein erstes Amphibienleitsystem mit Tunneln installiert, das den Tieren ein gefahrloses Unterqueren einer viel befahrenen Straße ermöglicht. Seither wurden landesweit etwa 30 weitere Straßenabschnitte durch Amphibienleitsysteme entschärft. Mit Hilfe von Bewirtschaftungsverträgen wird eine extensivere Landwirtschaft (zum Beispiel spätere Mahd, Verzicht auf Grünlandumbruch, Reduzierung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln) finanziell unterstützt,was sich auch positiv auf die Landlebensräume der Amphibien auswirkt.

Kontakt: Roland Proess, c/o Nationalmuseum für Naturgeschichte Luxemburg

Literatur: Proess, R., 2016. – Verbreitungsatlas der Amphibien des Großherzogtums Luxemburg. – Ferrantia 75, Musée national d’histoire naturelle, Luxembourg, 37 p.

Aktuell |