Biodiversitäts-Tag 2015 an der Our: Über 600 Arten nachgewiesen

Am Samstag, dem 18. Juli durchstreiften über 50 Naturkundler das Ourtal auf der Suche nach Pflanzen und Tieren mit dem Ziel eine möglichst große Anzahl an Arten zu erfassen. Die Spezialisten für Blütenpflanzen, Farne, Moose, Pilze, Käfer, Schmetterlinge, Vögel, Reptilien, Amphibien und einige weitere Tiergruppen konnten insgesamt über 600 Arten im Gebiet nachweisen.

Dies ist eine erfreulich hohe Zahl an Arten, die die hohe naturschutzfachliche Bedeutung des Ourtals belegt. Das Ourtal zählt zu den landschaftlich reizvollsten Flusslandschaften in Luxemburg und Rheinland-Pfalz. Mit seiner Vielzahl an Biotopen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten ist es als NATURA2000-Gebiet in Deutschland und Luxemburg ausgewiesen. Die Gekielte Smaragdlibelle (Oxygastra curtisii) hat hier ihr einziges Vorkommen in Luxemburg und Deutschland. Weitere sehr seltene und europaweit geschützte Arten, die noch im Ourtal zu finden sind, sind z. B. die Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera) und die Wildkatze (Felis silvestris silvestris). Die Hänge des Ourtals sind überwiegend bewaldet und münden in einigen Bereichen in beeindruckende Felsformationen und Halbtrockenrasen. In der Flussaue sind ausgedehnte Wiesen unterschiedlicher Ausprägung ausgebildet.

Ourtal

Eröffnet wurde der Tag der Artenvielfalt durch den luxemburgischen Staatssekretär für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur Camille Gira, der auf die Bedeutung des Natura2000-Gebietes mit seinen vielen Biotopen und seltenen Arten hinwies. Besonders im Kontext des weiter anhaltenden Artenschwundes ist es umso wichtiger, durch solche Aktionen wie den Biodiversitäts-Tag, die Arten zu dokumentieren und durch geeignete Schutzmaßnahmen und -programme langfristig zu sichern.

Wissenschaftler, Naturkundler, Botaniker und Zoologen aus Rheinland-Pfalz und Luxemburg durchkämmten am Biodiversitäts-Tag die vielfältigen Lebensräume beiderseits der Our. Der Aktionsradius lag zwischen Roth an der Our, Bettel, Wallendorf und Reisdorf. Untersucht wurden die zahlreichen Biotope entlang der Our wie Hochstaudenfluren, Wiesen und Weiden, Wälder, Hecken und Gebüsche, Halbtrockenrasen, Äcker, und die Our als Fließgewässerbiotop selbst. Es konnten über 220 Tierarten, 72 Pilze und 333 Pflanzenarten entdeckt werden, was eine sehr beachtliche Zahl ist. Neben vielen weiter verbreiteten Arten, wurden auch zahlreiche seltene und gefährdete Arten gefunden, wie das Tausendgüldenkraut, Spießblättrige Tännelkraut, die Grundwanze, Zangenlibelle, der Quendel-Ameisenbläuling, Schwarzstorch und der Wanderfalke. Auch der Große Wiesenknopf wurde entdeckt, eine charakteristische Wiesenpflanze, deren Verbreitung in Luxemburg weitestgehend auf das Ourtal beschränkt ist.

Des Weiteren wurde die Artenvielfalt an einigen Bunkerruinen des ehemaligen Westwalls untersucht. Die Bunkerruinen sind Hotspots der Biodiversität und wichtige Elemente des Biotopverbundes im Ourtal. Neben zahlreichen Moosen und Flechten, finden sich viele Blütenpflanzen, insbesondere Sträucher und Bäume. Sie sind Lebens- und Rückzugsraum für eine Vielzahl an Tieren: Klein- und Großsäuger, Fledermäuse, Wildkatzen, Reptilien, Amphibien, Käfer und Vögel. Die erhaltenen Ergebnisse der Ruinenuntersuchungen   fließen in das BUND-Projekt „Grüner Wall im Westen“ ein.

Alle gesammelten Ergebnisse des Tages werden in den naturkundlichen Datenbanken, in Luxemburg im Recorder, und in Rheinland-Pfalz im Artenfinder erfasst. Sie werden so zugänglich gemacht und stehen weiteren Projekten, Auswertungen und konkreten Schutzprojekten zur Verfügung. Die Naturforscher aus der Region waren mit viel Engagement und Spaß dabei. Neben der Suche nach Arten, waren das gegenseitige Kennenlernen der Naturinteressierten und der Erfahrungsaustausch, auch zwischen Jung und Alt, ein wichtiger Aspekt der Veranstaltung.

Organisiert wurde der Biodiversitäts-Tag vom Nationalmuseum für Naturgeschichte Luxemburg und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Rheinland-Pfalz mit der Unterstützung vieler Partner. Diese Aktion fand im Rahmen des GEO-Tags der Artenvielfalt 2015 statt, unter diesem Motto jährlich zahlreiche Veranstaltungen durchgeführt werden. Die Organisatoren danken allen Naturkundlern, die durch ihre Teilnahme am Tag der Artenvielfalt maßgeblich zum Erfolg beigetragen haben.

Den zahlreichen Partnern, die die Aktion unterstützt haben, sei herzlich gedankt:

Ministerium für nachhaltige Entwicklung und Infrastrukturen Luxemburg, Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz, Ministerium für Kultur Luxemburg, SNL – Naturforschende Gesellschaft Luxemburg, Projekt “Grüner Wall im Westen“, Stiftung Natur und Umwelt RLP mit Mittel aus der Glücksspirale Lotto RLP, BUND KG Bitburg-Prüm, Naturpark Our, Naturpark Südeifel, Islek ohne Grenzen, Frënn vum ‘natur musée’ – Les Amis du Musée national d’histoire naturelle, Fondation faune-flore, ABIOL, POLLICHIA, Gemeinde Tandel (L), Gemeinde Reisdorf (L), Gemeinde Ammeldingen (D), Gemeinde Gentingen (D), Gemeinde Roth a. d. Our (D), Gemeinde Wallendorf (D), VG Südeifel.

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