Inseln-Leben zwischen Himmel und Meer (08.09.00-29.10.00)

Als isolierter, von allen Seiten durch Wasser umgebener Raum, ist die Insel eine Welt für sich. Ihr Entstehungsgeschichte, ihre Größe, ihre Entfernung zum Festland und die Bedeutsamkeit ihrer Küste bedingen ihre Beziehung zu den anderen Landflächen. Da sie in einer anderen Raum-Zeit-Dimension als das Festland evoluiert, besitzt die Insel ihre Besonderheiten, die, je nachdem ob es sich um eine mediterrane, eine karibische, eine atlantische oder eine ozeanische Insel handelt, variieren.

Die Abgeschiedenheit der Insel schafft für die Gesamtheit der dort lebenden Tier- und Pflanzenarten besondere Verhältnisse. Deren Ursprung ist oft auf Evolutionsphänomene zurückzuführen, die viel beeindruckender sind als jene, die sich auf dem Kontinent abspielen. Es sind die Inselbewohner, die Menschen, die ihrer Welt einen neuen Sinn geben. Jede ihrer spezifischen Handlungen ist eine Antwort auf ihre Einsamkeit und die Eingrenzung ihres Lebensraumes.

Doch die Insel braucht die Öffnung nach außen. Das Meer umschließt sie, ist aber zugleich ein Verbindungsweg. Nachdem sie sich auf einer bestimmten Insel etabliert haben, können Tiere und Pflanzen zu benachbarten Inseln oder zum Festland übersiedeln. Menschen zeichnen sich durch den Austausch von Wirtschafts- oder Kulturgütern über den Seeweg aus.

Bedroht die Multiplikation dieser durch den Menschen herbeigeführten Verbindungen nicht das natürliche Gleichgewicht der Insel. ? Wie sieht die Zukunft aus ? Und was soll man zu jenen Lebensräumen sagen, die keine Inseln sind, die aber trotzdem wie Inseln funktionieren ?

Wissenschaftler und Inseln

Da die Inseln geschlossene, häufig sehr kleine Räume sind, gelten sie in den Augen der Wissenschaftler als bevorzugte Orte zum Beobachten und Experimentieren. Ab dem 18. Jahrhundert beginnen Naturwissenschaftler Flora und Fauna der Inseln zu katalogisieren. Später werden die Besonderheiten der dort ansässigen Pflanzen- und Tierwelt genauer unter die Lupe genommen und erste Versuche unternommen, die Funktionsweise einer Insel und ihrer Bevölkerung im Vergleich zu der des Festlandes zu verstehen. Auf den Inseln, die als wahre « Laboratorien der Natur » bezeichnet werden können, entstehen neue Theorien.

Die Inseln sind von anderen Ländern isoliert

Das Hauptmerkmal der Insel ist ihre räumliche Einengung, die besondere Lebensbedingungen erzeugt. Tiere und Pflanzen, die mit diesem neuen Lebensraum konfrontiert werden, entwickeln sich ganz anders als auf dem Festland. Auf diese Weise entstehen auf der Insel nach einigen zehn- oder hunderttausend Jahren neue Arten, die nur hier anzutreffen sind. Es sind dies endemische Arten, die sich oft auf beeindruckende Weise durch ihre Morphologie, ihre Ökologie und ihr Verhalten hervortun.

Es gibt noch andere Inseln

Eine Oase in der Wüste, eine warme Quelle in den ozeanischen Tiefen, ein unbebautes Gelände in der Stadt, eine Baumgruppe inmitten bestellter Felder, ein Berg im Zentrum einer Ebene, eine religiöse Gemeinschaft in einem Land oder eine isolierte Dorfgemeinschaft inmitten einer Region ; sie alle werden häufig als Inseln bezeichnet.

Es ist der Begriff der Abgrenzung, der diese Räume und Gruppen mit der geografischen Insel assimiliert. Doch über diesen Aspekt hinaus, ist es vor allem die Funktionsweise dieser Plätze, die sie mit den insularischen Systemen gleichstellt : sie werden von den gleichen Abgrenzungs- und Zusammenhangsprinzipien beherrscht wie die Inseln.

Eine Ausstellung des Nationalmuseums für Naturgeschichte Paris
Im ‘natur musée’

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