Konferenz: Welche Farbe hat der Montag? (13/2/2012)

Für manche Menschen ist die Welt besonders bunt: Sie sehen Buchstaben farbig, die doch nur schwarz auf weiß vor ihnen stehen, oder erleben Musik in Formen und Strukturen, die sich mit Melodie und Klangfarbe vor ihrem inneren Auge verändern. Bekannt ist dieses Phänomen namens – Synästhesie – schon lange, aber richtig erforscht wird es erst, seit man mit modernen Techniken die Abläufe im Gehirn verfolgen kann.

Im Rahmen der Sonderausstellung “Farbenfroh” lädt das Nationalmuseum für Naturgeschichte am Montag, dem 13. Februar 2012 um 18 h 30 zur Konferenz “Welche Farbe hat der Montag? Synästhesie: Das Leben mit verknüpften Sinnen” ein. Da der vorgesehene Redner, Prof. Dr. med. Dr. phil Hinderk M. Emrich, aus kurzfristig eingetretenen, verkehrstechnischen Gründen nicht nach Luxemburg kommen kann, wird der Vortrag von Frau Christine Soeffing gehalten. Christine Soeffing, selbst Synästhetikerin (www.synaesthesiewerkstatt.de), ist Leiterin des Musischen Zentrums der Universität Ulm.

Gemeinhin gehen wir davon aus, nachempfinden zu können, was ein anderer meint, wenn er davon spricht, blau zu sehen oder eine Geige zu hören. Was aber, wenn die Geige blau klingt? Oder gar kariert, kalt und als würde man von etwas Metallischem berührt? Wahrnehmungserfahrungen von Synästhetikern sind schwer zu vermitteln. Es fehlt an Worten für all die Nuancen an Farbtönen, Klängen, Geschmack, Formen, Temperaturen und ihren Verbindungen. Und weil Nichtbetroffene synästhetische Erfahrungen kaum nachvollziehen können, galten sie lange als Störung oder Scharlatanerie. Heute wird Synästhesie als eine der großen Herausforderungen und Chancen für Medizin und Neurobiologie gesehen: Unter welchen Bedingungen ­ Gene, Umwelteinflüsse, Drogen ­ kommt sie zustande, welche Formen gibt es, was bedeutet sie für die Betroffenen? Synästhesie verstehen zu lernen, ermöglicht tiefgreifende Erkenntnisse über Wahrnehmungsprozesse im Gehirn, über die Entstehung, Wirkungsweise und Veränderbarkeit neuronaler Verknüpfungen und somit über die Funktionsweise des menschlichen Bewusstseins insgesamt. Doch die grundlegenden Fragen nach der Qualität und Kommunizierbarkeit individueller Wahrnehmung, welche alle synästhetische Erfahrung berührt, greifen weit über sie hinaus: Wenn ich nicht wissen kann, ob mein Blau dein Blau ist, worüber sprechen wir dann?

Der Eintritt zur Konferenz im ‘natur musée’ ist frei.

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